Text: Siméon Calame
Grosser Tisch statt Durchreiche. Mit Starchefs für Instagram in deren Küche posieren? Bisher waren solche Fotos mit Wow-Effekt zumeist VIPs vorbehalten. Im Café des Banques im Zentrum von Genf können es alle Gäste den Prominenten gleichtun, denn Starchef Yoann Caloué hat sein im Frühjahr 2022 eröffnetes Restaurant besonders «publikumsnah» gestaltet: Zwischen seinem Koch- und dem Gastbereich gibt es keine Wand, keine Durchreiche – sondern einzig einen grossen Tisch, an dem er auf der einen Seite anrichtet, auf der anderen Seite bis zu fünf Gäste ihr Essen geniessen. Bild oben: Yoann Caloué, Carpaccio aus Jakobsmuscheln.
Der Frühling kann kommen! Ravioli del Plin mit Morcheln, Erbsen, Vin Jaune & Comté.
Das Team von Yoann Caloué (mitte) posiert am Stammtisch im Restaurant.
Eine Augenweide: Haben Himbeeren Saison, gibt es magische Desserts.
Geflügel – besser als «Bresse». Unterstützt wird Starchef Caloué von seinem langjährigen Compagnon Mark Prendaj, der die Gerichte mit viel Verve und fast schon schauspielerischen Qualitäten an Frau und Mann bringt. So umschreibt er etwa das Geflügel aus Nant d’Avril mit sämiger Rahmsauce als «um Längen besser als dasjenige aus der Bresse». Begleitet wird der Vogel von einem leicht säuerlichen Jus, Kardonengratin und grosszügig portionierten Streifen vom schwarzen Trüffel. Nicht die einzige «pilzige» Speise des Abends: Mindestens so gut schmecken Ravioli del Plin mit Morcheln, ergänzt von Gartenerbsen, Vin Jaune und Comté. Der Frühling kann kommen!
Private Dinner: Im ersten Stock befindet sich ein Salon, für ein Dinner oder Lunch in absoluter Privatsphäre.
Entrecôte mit «Seitenwagen». Yoann Caloué stammt ursprünglich aus der französischen Normandie, in seiner früheren Wirkungsstätte, dem «Le Flacon» in Genf-Carouge, war er mit einen Michelin-Stern ausgezeichnet. Gezügelt hat er seine 15 Punkte von GaultMillau, welche die hohe Qualität seiner Kochkunst widerspiegeln. Gutes Beispiel hierfür ist das Carpaccio von der Jakobsmuschel mit Seeigel-Mayonnaise, Sauerteigbrot und Apfelbalsamico. Oder das Entrecôte vom Black-Angus-Rind mit Yuzu-Sabayon und Kartoffelschaum. Als «Seitenwagen» hierzu: Ochsenschwanz-Ravioli mit ordentlich viel Geschmack!
In Walking Distance. Das Restaurant liegt nur zwölf Minuten zu Fuss vom Bahnhof entfernt.
Präzision und Farbe: Die Handschrift von Yoann Caloué ist schnell zu erkennen.
The place to b. Eine grosszügige Portion Heidelbeersorbet, mit nicht allzu viel Zucker, rundet den Abend ab. Oder eine Kombination aus Pistazie und Blutorange, die dank Textur, Aroma und filigranem Handwerk überzeugt. Auch mittags ist das Café des Banques eine bestechende Adresse: Das dreigängige Mittagsmenü kostet 65 Franken! Abends schlagen Vier- und Siebengänger mit 115 respektive 165 Franken zu Buche. Für die Begleitung aus dem Weinkeller, in dem mehr als tausend verschiedene Flaschen gelagert sind, findet man 60 oder 80 Franken auf der Rechnung. Aktuelles GaultMillau-Rating: 15 Punkte.
Die GaultMillau-Tester stellen im Auftrag der UBS jede Woche einen «Place to b.» vor: Adressen für den gepflegten Businesslunch, für den Brunch am Wochenende, für ein Essen mit Freunden, für Trendsetter & Entdecker, für Verliebte. Bereits erschienene «Tipps der Woche» finden Sie hier.
Fotos: Lenaka, Guillaume Cottancin