Interview: Knut Schwander I Fotos: Darrin Vanselow
Valérie Peyre, Sie sind Tea Master, also eine anerkannte und zertifizierte Expertin in der Welt des Tees. Was waren Ihre Ziele, als Sie zusammen mit Jürg Stäubli und seiner Tochter Sarah die Marke Chanoyu gegründet haben?
Valérie: Es gab keine Schweizer Marke auf dem Markt für hochwertigen Tee, insbesondere nicht für die gehobene Hotellerie und Gastronomie. Wir haben daher ein massgeschneidertes Angebot entwickelt. Tees, die auf die Situation jedes Unternehmens und jede Tageszeit zugeschnitten sind: vom Frühstück bis zum Tee für Zigarrenliebhaber (!), vom Restaurant bis zum Spa-Bereich. Mit unserem einzigartigen Angebot haben wir weltberühmte Köche, allen voran Franck Giovannini aus Crissier, aussergewöhnliche Hotels und echte Tee-Liebhaber überzeugt.
Breite Palette, elegantes Design, 100 % Bio: Chanoyu-Tee startet durch.
Chanoyu heisst Teezeremonie. Die Tees regen auch die Fantasie der Starchefs an.
Sarah Stäubli, Sie kommen aus der Welt des Marketings und des Luxus. Was hat Sie am Tee fasziniert?
Sarah: Ich interessiere mich für die Welt des Luxus und der Qualität als Ganzes. Mein Vater Jürg Stäubli hat die Swiss Fair-Trade S.A. gegründet, ein Unternehmen, das im Bereich der umweltfreundlichen Premiumprodukte tätig ist und zu dem auch Chanoyu gehört. Ich hatte die Gelegenheit, Tea Master Valérie Peyre kennenzulernen. Da wurde mir bewusst, welche unglaubliche Vielfalt und Exzellenz die Welt des Tees zu bieten hat. Mir ist auch aufgefallen, wie wenig die Verbraucher über dieses Produkt und die Unterschiede zwischen einem aussergewöhnlichen Tee und einem beliebigen Getränk wissen. Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, dies zu ändern!
Es ist noch gar nicht so lange her, dass die meisten Verbraucher dachten, Tee sei nur etwas für Kranke oder Großmütter. Hat sich diese Ansicht geändert?
Valérie: Tee durchläuft zwei parallele Entwicklungen. Auf der einen Seite gibt es echten Qualitätstee, der lose für Liebhaber und Aficionados verkauft wird. Er erlebt einen regelrechten Aufschwung. Auf der anderen Seite gibt es weiterhin die Teesorten, die von den grossen Handelsketten vertrieben werden, «für die Kranken», wie Sie es nennen. Von diesen Teebeuteln werden Millionen verkauft, aber der Marktanteil sinkt. Dank kleiner Spezialgeschäfte, die lose Tees verkaufen, Ein immer grösseres Publikum entdeckt in Spezialgeschäften die Feinheiten von Qualitätstees. Diese Kenner und Geniesser sind auch sensibilisiert für den Aspekt der ökologischen Verantwortung sensibilisiert und nicht bereit, die Zeit zurückzudrehen. Sie trinken diese Qualitätstees zu Hause und wollen sie auch in der Hotellerie und Gastronomie bestellen können. Hier haben wir eine Rolle zu spielen.
Auf Vater Jürg Stäubli ist Verlass! Er unterstützt seine Tochter Sarah beim Aufbau einer exklusiven Teemarke.
Kann das Gastgewerbe diese neuen Erwartungen zu erfüllen?
Sarah: Unsere Rolle beschränkt sich nicht auf den Verkauf von Tee. Unsere Stärke liegt darin, dass wir uns verpflichten, Hotel- und Restaurantbesitzer zu unterstützen, indem wir Schulungen für ihre Teams anbieten: Dank dieser Schulungen konnten einige unserer Kunden die Nachfrage nach Tee um 20 Prozent steigern. Wir stellen gezielt Teekarten zusammen, schlagen Kombinationen von Tee und Gerichten vor. Schliesslich helfen wir Küchenchefs und Mixologen bei der Entwicklung von Rezepten. Wir sind die Einzigen, die diese Exklusivität und Massarbeit anbieten. Tee soll in den Restaurants zum Markenzeichen werden.
Und das funktioniert?
Valérie: Köche wie Franck Giovannini, Andreas Caminada oder Benoît Carcenat vertrauen uns. Sie haben unsere Tees angenommen. Das ist sehr motivierend für uns. Wenn ein junger und ehrgeiziger Profi wie GaultMillaus «Patissier des Jahres» Titouan Claudet Rezepte mit unseren Tees entwickelt, eröffnet das neue Perspektiven. Wir wollen nicht einfach nur eine Marke aufbauen, wir versuchen echte Partnerschaften mit unseren Kunden aufbauen, um den Tee zu zelebrieren. Übrigens: Chanoyu ist japanisch, bedeutet «Tee-Zeremonie».
Gibt es weitere Beispiele für die gute Zusammenarbeit mit Ihren Partnern?
Sarah: Da gibt es zum Beispiel das kalt-warme Soufflé von Guy Savoy in Paris, bei dem eine unserer Teemischungen verwendet wird. Franck Giovannini serviert ein Dessert mit roten Früchten und Tee. Lionel Rodriguez im Baron Tavernier hat uns mit einer Kombination von Spargel und würzigem Nirwana-Tee überrascht. Benoît Carcenat setzt unseren Tee für ein Birnen-Dessert ein. Und dann gibt es noch die Cocktails! «Magic Christmas» etwa von Chefin Elodie Manesse mit Gin oder der «Wake up», der im La Réserve Genf kreiert wurde. Das sind aufregende Geschichten!
Sie setzen für Ihre Kräutertees auf Blumen und Pflanzen, die biologisch sind und in den Schweizer Alpen wachsen.
Valérie: So wie die Chanoyu-Tees bei Produzenten in den fünf besten Anbaugebieten Indien, China, Japan, Taiwan und Sri Lanka ausgewählt werden, gehen auch wir vor. Die Blumen und Pflanzen für unsere Kräutertees werden von Hand auf Bauernhöfen im Wallis gepflückt. In bin seit zwanzig Jahren immer wieder vor Ort, konnte so mit den Produzenten eine Basis des Vertrauens aufbauen und bin sicher, dass unsere Produkte aus den besten Zutaten hergestellt werden.
Für Zigarrenraucher: Der «Sweet Havanna Smoky», leicht geräucherter Schwarztee mit Whiskynote.
Und Sie stellen dann die verschiedenen Mischungen her?
Valérie: Es gibt natürlich etwa fünfzehn unumgängliche Klassiker, wie Earl Grey oder English Breakfast, aber wir legen Wert darauf, dass sie ein ausgezeichnetes Niveau haben. Dann gibt es noch die Kreationen. Wie dieser Birnentee, den ich zu Käsegerichten kreiert habe. Oder diese Reihe von Kräutertees, mit Kurkuma, Rooibos oder Chili. Oder auch ganz neue Mischungen wie die Kombination aus Minze, Monarde, Thymian, Calendula und Brennnessel. Unerwartet ist zweifellos der Tee, der zu Zigarren serviert wird. Ein Erfolg, denn man findet ihn in den Cigar Lounges des «La Réserve» in Genf, des «Bellevue Palace» in Bern, des «Royal Savoy» in Lausanne und im Zigarrenclub von Franck Giovannini. Sogar Jürg Stäubli, der eigentlich eher ein grosser Weinsammler ist, trinkt plötzlich Tee zu seiner Zigarre.
Wie sehen Sie die Zukunft?
Sarah: Chanoyu und Teabo sind meine Babys! Wir werden alles tun, um sie gross zu machen. Mein Traum ist es, Boutiquen zu eröffnen, zunächst in der Schweiz, und dann diese Marken international zu entwickeln. Es gibt noch viel zu tun, aber wenn ich sehe, was wir in weniger als fünf Jahren gemeinsamer Arbeit erreicht haben, können mein Vater, Valérie und ich stolz auf unseren Erfolg sein und optimistisch in die Zukunft blicken.
>> Unternehmer und Feinschmecker Jürg Stäubli hat die Tee-Marken Chanoyu und Teabo 2019 gegründet. Seine Tochter Sarah ist Marketingmanagerin, Valérie Peyre der erfahrene Teamaster. Alle Produkte sind auf der Chanoyu-Webseite beschrieben. Mit einem Klick kann man den Tee lose oder in Kisten mit Portionsbeuteln bestellen. 50 Teesorten und mehr als einem Dutzend Kräutertees aus der Schweiz sind im Angebot. www.chanoyu-tea.ch