STREET ART UND «MARIO KARTS». Pop-up-Restaurants sind leider ziemlich häufig kulinarischer Klamauk. Doch wenn ein Koch mit dem Leistungsausweis von Benjamin Plsek für das Menü verantwortlich ist, kann man es schon einmal riskieren. Für «The Other End of the Universe» hat der frühere Küchenchef des «Maison Manesse» (16 Punkte, ein Stern) einen Fünfgänger entwickelt, dessen Gerichte Namen wie «Closer to the Sun» oder «Take me to the Moon» tragen. Serviert wird das Menü im stimmungsvollen Ambiente der Halle D der früheren SBB-Werkstätten an der Zürcher Hohlstrasse. An den Wänden Lichtinstallationen und Street Art, an der Decke glitzernde Discokugeln und kugelförmig Lampen, die in wechselnden Farben leuchten. Zum temporären Restaurant von «Children of Panacea» gehört auch ein «Secret Room» mit Klavier, Flipperkasten und zwei Playstations aus den Neunzigern. Wer ihn findet, kann dort zum Apéro noch eine Runde «Mario Karts» spielen. Danach gibts mehr als genug Unterhaltung – und Essen, das rundum Spass macht.

In der Bild-Kombo oben: Benjamin Plsek und seine erfrischende Kreation mit Blutorange, Rüebli und Cedratzitrone.

ERFRISCHENDER START, UMARMUNG MIT TRÜFFEL. Chef Benjamin lässt schon mit dem ersten Gang des Abends («Closer to the Sun») sein Talent aufblitzen. Es gibt ein wunderbar erfrischendes Blutorangen-Aguachile mit einem Tatar aus süssen, auf den Punkt gegarten Rüebli, dem eingelegte Sanddornbeeren einen zusätzlichen Frischekick geben. Obendrauf: Chicoree und dünn gehobelte Cedratzitrone, die das Geschmacksbild mit eleganten Bitternoten raffiniert abrundet. Wow! Der blumig-frische Mocktail namens «Etheral Bloom» mit Gurkensaft, Bergamotte, Rose Cordial und Ginger Beer trifft ebenfalls ins Schwarze. Verantwortlich für die Kreation der Drinks: die Zürcher Mixologin Jennifer Hunziker. Für den zweiten Akt des Menüs entführt Benjamin Plsek die Gäste in sanfte, erdige Geschmackswelten. Bissfeste Linsen schmiegen sich an ein exzellent gewürztes Randenragout mit Salsiccia-Stücken und einer grosszügigen Portion geraffeltem Périgordtrüffel. Für Crunch sorgen Röstzwiebeln. Der Name des Gerichts, «The Warm Hug», passt perfekt.

Jennifer Hunziker

Die Zürcher Mixologin Jennifer Hunziker hat für «The Other End of the Universe» fantasievolle Cocktails und Mocktails kreiert.

Rande, Salsiccia, Trüffel – das ist die Erfolgsformel dieser wärmenden Vorspeise von Benjamin Plsek.

Linsen, Rande, Salsiccia, Périgordtrüffel: Das ist die Erfolgsformel dieser wärmenden Vorspeise von Benjamin Plsek.

The Other Ende of the Universe

Weisse Tischdecken, farbige Lampen: Das Pop-up in den ehemaligen SBB-Werkstätten verbindet Tradition und Moderne.

GURKE, OLIVE, WALDMEISTER. Gang Nummer 3 («A Drink on the Way») ist flüssig und wird als augenzwinkernde Referenz an die gute alte Waldmeister-Bowle in einem flachen Glas mit langem Stiel serviert. Die untere Schicht bildet eine Art Gurkenkaltschale, die mit besagtem Waldmeister und Olivenstückchen verfeinert ist, die obere ein schneeweisser Joghurtschaum. Sieht hübsch aus, schmeckt frisch bis leicht süsslich und unterstreicht einmal mehr, dass hier ein Könner in der Küche steht. Nach der Schliessung des «Maison Manesse» Ende des vergangenen Jahres kochte Plsek unter anderem am WEF in Davos, wenn «The Other End of the Universe» nach der letzten Soirée am 12. April seine Zelte abbricht, will er erst einmal eine Kreativpause einlegen.

The Other Ende of the Universe

Ein Prosit auf die Kreativität: In den Gläsern ist kein Cocktail, sondern ein Zwischengang mit Gurke, Olive und Joghurt.

The Other Ende of the Universe

Kunst auf dem Teller – und an den Wänden: Bei «The Other End of the Universe» isst das Auge doppelt mit.

The Other Ende of the Universe

Umami trifft knusprig und säuerlich: Den Schmorbraten hat der Chef mit zerbröselten Vinegar-Chips bestreut.

SCHMORBRATEN FÜR FORTGESCHRITTENE. Das Hauptgericht, viel zu oft der schwächste Gang im ganzen Menü, ist hier ein Highlight. Es gibt Schmorbraten mit Kartoffelstock, aber nicht auf Beizen-Niveau, sondern handwerklich hervorragend umgesetzt und fantasievoll gepimpt. Das zarte Fleisch wird von einem Jus mit schönem Glanz begleitet und ist mit zerbröselten Vinegar-Chips bestreut, die nicht nur knusprig, sondern auch angenehm salzig und säuerlich sind. Das Dessert wird auf einem Teller mit Steinen und Trockeneis serviert – und ist selbst einem Stein nachempfunden. In einer Biscuithülle verstecken sich ein weisser Schokoladenmolleux und eine Marmelade aus Heidelbeeren, die Plsek im vergangenen Jahr zusammen mit der «Maison Manesse»-Crew am Gotthard gesammelt hat. Beide Komponenten sind nur dezent gesüsst und ergeben zusammen mit Mohnsamen ein wunderbares Geschmacksbild. 

The Other Ende of the Universe

Spezielle Lichteffekte lassen die Speisen wie geheimnisvolle Objekte aus dem Weltall erscheinen.

The Other Ende of the Universe

Modeschau der anderen Art: Künstler in spektakulären Kostümen mischen sich während des Abends unter die Gäste.

The Other Ende of the Universe

Heidelbeeren, weisse Schokolade und Mohn prägen das auf Steinen und mit Trockeneis servierte Dessert.

AKROBATIK UND FEUERSCHLUCKEN. Nach dem zweiten und dem vierten Gang gibt’s bei «The Other End of the Universe» jeweils einen Showblock. Unter anderem auf der Liste der Künstler: Comedian Gülsha und Akrobatin Luzia Bonilla, die bei unserem Besuch erst mit einem brennenden Hula-Hoop-Ring tanzte und danach an einer Art überdimensioniertem Vorhang unter dem Hallendach hing und halsbrecherisch anmutende Kunststücke aufführte.  Ergänzt wird das Programm durch wechselnde Live-Musik-Acts, DJs und Artistik-Performances. «The Other End of the Universe» ist bis am 12. April jeweils von Mittwoch bis Samstag ab 18.30 Uhr geöffnet. Das komplette Showprogramm der jeweiligen Abende gibt es hier. Der Preis für die Reise ans andere Ende des Universums beträgt 169 Franken pro Person inklusive Apéro, Menü (auch in einer veganen Version erhältlich) und Shows. Während man das Dinner nur mit einer Reservation besuchen kann, empfängt die Bar ab 18 Uhr auch Gäste, die keinen Dinner-Platz gebucht haben.

Fotos: HO The Other End of the Universe, Linda Kastrati